Bearbeiterhinweise:
– Bei der ersten Frage sind Ansprüche aus §§ 823 ff. BGB nicht zu prüfen.
– Auf die HwO, insbesondere Anlage A Nr. 17, und auf § 1 II SchwArbG wird hingewiesen.
Unverbindliche Lösungsskizze
Frage 1: Ansprüche des K gegen die HS-GbR, H und J
A. Ansprüche des K gegen die HS-GbR
I. §§ 634 Nr. 4, 280 I BGB
1. Anspruch entstanden
a) Wirksamer Werkvertrag
aa) Einigung
Hier: (Einzel-)Stellvertretung durch H, §§ 164 ff. BGB, §§ 709, 714 BGB
bb) Wirksamkeit
-> Verstoß gegen ein gesetzliches Verbot, § 134 BGB
(1) Anlage A Nr. 17 HwO
(+), aber: Verstoß führt nicht zur Nichtigkeit; Arg.: Sinn und Zweck
(2) § 1 II SchwArbG
– Bzgl. Sicherheitscheck: kein Verstoß
– Bzgl. Tuning: Verstoß, der auch zur Nichtigkeit führt; Arg.: Sinn und Zweck
-> Gesamtnichtigkeit nach § 139 BGB (-); Arg.: Sicherheitscheck wäre auch ohne das Tuning durchgeführt worden.
b) Mangel
Hier: Bremsflüssigkeit nicht ausreichend kontrolliert und aufgefüllt
c) Maßgeblicher Zeitpunkt
-> Bei Abnahme (+)
d) Voraussetzungen des § 280 I BGB
aa) Schuldverhältnis (+)
bb) Pflichtverletzung
Hier: Mangelhafte Werkleistung
cc) Vertretenmüssen, § 276 BGB
(+); Arg.: § 278 BGB
dd) Rechtsfolge: Schadensersatz
– Totalschaden am Motorrad: (+), § 249 II BGB
– Schmerzensgeld: (+), § 253 I, II BGB
e) Kein Ausschluss (+)
2. Anspruch nicht erloschen (+)
3. Anspruch durchsetzbar (+)
4. Ergebnis: (+)
II. Weitere Ansprüche
-> §§ 823 ff. BGB sind nicht zu prüfen.
B. K gegen H und J, §§ 634 Nr. 4, 280 I BGB
– Problem: Haftung der Gesellschafter einer GbR
– aA: Theorie der Doppelverpflichtung -> (+)
– aA: § 128 HGB analog (Akzessorietätstheorie) -> (+)
-> Fehlende Mitwirkung des J bei den Arbeiten unbeachtlich
-> Ausscheiden des J nach Auftragserteilung unbeachtlich; Arg.: Rechtsgedanke des § 160 HGB
Frage 2: Ansprüche der HS-GbR gegen K
A. Werklohn i.H.v. 2.000 Euro für Sicherheitscheck und Tuning, § 631 BGB
I. Anspruch entstanden
– Bzgl. Sicherheitscheck: (+), s.o.
– Bzgl. Tuning: (-), s.o.
II. Anspruch nicht erloschen
-> (Hilfs-) Aufrechnung, §§ 387 ff. BGB
1. Aufrechnungslage, § 387 BGB
Hier: Gegenanspruch aus §§ 634 Nr. 4, 280 I BGB (s.o.)
2. Aufrechnungserklärung, § 388 BGB
– Eigentlich: Bedingungsfeindlich, § 388 S. 2 BGB; aber: innerprozessuale Bedingung zulässig
3. Kein Ausschluss
4. Ergebnis: Anspruch erloschen
III. Ergebnis: (-)
B. Aufwendungsersatz i.H.v. 1.900 Euro für das Tuning, §§ 683 S. 1, 670 BGB
I. Fremdes Geschäft (+)
II. Fremdgeschäftsführungswille
– Problem: Nichtige Geschäfte
– aA: (+), aber: Aufwendung nicht „erforderlich“
– hM: (-); Arg.: Bereicherungsrecht lex specialis; subjektive Zielrichtung ist die vermeintliche Vertragserfüllung
III. Ergebnis: (-)
C. Wertersatz i.H.v. 1.900 Euro, § 812 I 1 1. Fall, 818 II BGB
I. Etwas erlangt
Hier: Tuning (bzw. ersparte Aufwendungen)
II. Durch Leistung (+)
III. Ohne Rechtsgrund
– Bzgl. Tuning (+)
IV. Rechtsfolge: Herausgabe
Hier: Wertersatz, § 818 II BGB
V. Kein Ausschluss
1. § 814 BGB
(-); Arg.: wohl kein positive Kenntnis von der Nichtigkeit (andere Ansicht vertretbar)
2. § 817 S. 1 BGB
Hier: Beiderseitiger Verstoß gegen gesetzliches Verbot
– Problem: Korrektur über § 242 BGB
– aA: (+); Arg.: Billigkeit
– aA: (-); Arg.: Umgehung der Wertungen des Verbotsgesetzes
VI. Ergebnis: (-)
D. Wertersatz, § 817 S. 1 BGB
(-); Arg.: § 817 S. 2 BGB (s.o.)
Frage 2: Ansprüche HS-GbR gegen S
A. § 433 II BGB
I. Anspruch entstanden
1. Einigung (+)
2. Wirksamkeit
-> Minderjährigkeit, §§ 106 ff. BGB
a) Lediglich rechtlich vorteilhaft (-)
b) Einwilligung des gesetzlichen Vertreters (-)
c) Genehmigung des gesetzlichen Vertreters (-)
d) Sonderfall
-> Taschengeldparagraph, § 110 BGB (-); Arg.: nur die Hälfte gezahlt
II. Ergebnis: (-)
B. §§ 989, 990 BGB
I. EBV (zum Zeitpunkt der schädigenden Handlung)
1. Besitz des S (+)
2. Eigentum der HS-GbR
a) Ursprünglich: HS-GbR
b) Eigentumserwerb des S, § 929 S. 1 BGB
aa) Einigung
(+); Arg.: lediglich rechtlich vorteilhaft
bb) Übergabe (+)
cc) Einigsein (+)
dd) Berechtigugn (+)
3. Ergebnis: (-)
II. Ergebnis: (-)
C. § 823 II BGB, § 263 StGB
(-); Arg.: keine Anhaltspunkte
D. § 812 I 1 1. Fall, 818 II BGB
I. Etwas erlangt
Hier: Besitz und Eigentum am Motorroller
II. Durch Leistung (+)
III. Ohne Rechtsgrund (+), s.o.
IV. Rechtsfolge: Herausgabe Hier: Wertersatz § 818 II BGB
V. Kein Ausschluss
-> Entreicherung, § 818 III BGB; aber: § 819 I BGB
– Problem: Bezugsperson bei Minderjährigen
– aA: stets der Minderjährige
– aA: stets der gesetzliche Vertreter
– hM: differenzierend – bei Leistungskondiktion: gesetzlicher Vertreter; bei Nichtleistungskondiktion: Minderjähriger; Arg: Nähe zum Vertragsrecht bzw. Deliktsrecht (§ 828 III BGB)
Hier: Leistungskondiktion, also Eltern maßgeblich
Also: § 818 III BGB (+)
VI. Ergebnis: (-)