Die K-KG entgegnet, dass die G-GmbH bei Ungültigkeit der Verträge 50.000 Euro bekäme, aber 36.000 Euro zurückgeben müsse. Das führe zu einer Schuld von maximal 14.000 Euro. Dass die K-KG die Maschine nicht für 36.000 Euro hätte veräußern können, sei irrelevant. Die 8.000 Euro Reparaturkosten seien Sache der G-GmbH. Die G-GmbH will so umfangreich wie möglich ihre Interessen bei der KG liquidieren. Sie will auch wissen, inwieweit sie Ansprüche gegen P hat.
Aufgabe 2:
Welche Ansprüche hat die G-GmbH gegen K-KG?
Aufgabe 3:
Welche Ansprüche hat G-GmbH gegen P?
Unverbindliche Lösungsskizze
Aufgabe 1: K-KG gegen Z-AG auf Zustimmung zur Löschung der Zwangshypothek
A. § 894 BGB
-> Voraussetzungen: Diskrepanz zwischen formeller und materieller Rechtslage
I. Formelle Rechtslage
Hier: Z-AG als Inhaber der Hypothek im Grundbuch eingetragen
II. Materielle Rechtslage
1. Erwerb der Hypothek durch Z-AG
Hier: Zwangshypothek, § 867 ZPO (+)
2. (Relative) Unwirksamkeit der Hypothek, § 883 II BGB
-> Voraussetzung: Auflassungsvormerkung zugunsten der K-KG, §§ 883, 885 BGB
a) Zu sichernde Forderung
Hier: notarielles, unwiderrufliches Kaufangebot ausreichend, Arg.: § 883 I 2 BGB
b) Bewilligung
-> Stellvertretung der T-GbR durch A und B, §§ 164 ff. BGB
aa) Eigene Willenserklärung (+)
bb) Im fremden Namen (+)
cc) Im Rahmen der Vertretungsmacht
– Eigentlich: Gemeinschaftliche Vertretungsmacht, §§ 709, 714 BGB, also Vertretung nur durch A, B und C
– Aber: C nicht im Grundbuch eingetragen, § 899a BGB
dd) Kein Ausschluss
-> Kollusion bzw. sich aufdrängender Missbrauch (-)
c) Eintragung der Auflassungsvormerkung ins Grundbuch (+)
d) Berechtigung
Hier: GbR = Eigentümer
e) Rechtsfolge: Relative Unwirksamkeit von Zwischenverfügungen, §§ 883 II BGB
– Gilt auch für Zwangsvollstreckung, § 883 II 2 BGB
3. Ergebnis: (-)
III. Ergebnis: (+)
B. Weitere Anspruchsgrundlagen I. § 888 BGB
(-); Arg.: Löschung der Hypothek zur Durchsetzung des Eigentumserwerb nicht erforderlich.
C. § 812 I 1 1 . BGB
(-); Arg.: keine Leistung von K-KG an Z-AG
D. § 812 I 1 2. Fall BGB
(-); Arg.: Leistung T-GbR an Z-AG
Aufgabe 2
A. Anspruch auf Schadensersatz wegen des Minderwerts i.H.v. 20.000 Euro wegen der Reparaturkosten bzgl Industrieverbrennungsanlage i.H.v. 8.000 Euro, §§ 437 Nr. 3, 280 I BGB
1. Wirksamer Kaufvertrag
-> Stellvertretung der K-KG durch P, §§ 164 ff. BGB
a) Eigene Willenserklärung (+)
b) Im fremden Namen (+)
c) Im Rahmen der Vertretungsmacht
aa) Rechtsgeschäftlich
-> Prokura, §§ 48 ff. HGB (+), aber: Widerruf; Arg.: Eintragung nur deklaratorisch
bb) Rechtsschein
-> „Negative Publizität“ des Handelsregisters, § 15 I HGB
(1) Einzutragende Tatsache
Hier: Widerruf der Prokura, § 53 II HGB
(2) Keine Eintrag (+)
(3) Keine Kenntnis des Gegners (+)
(4) Vorgang im Geschäftsverkehr
(5) Rechtsfolge: Negative Publizität
Hier: Widerruf der Prokura gilt als nicht geschehen
d) Kein Ausschluss (+)
e) Ergebnis: (+)
2. Mangel, §§ 434, 435 BGB (+)
3. Zum maßgeblichen Zeitpunkt
-> Bei Übergabe (+)
4. Voraussetzungen des § 280 I BGB
a) Schuldverhältnis (+)
b) Pflichtverletzung (+)
c) Vertretenmüssen, § 276 BGB
Hier: Zurechnung der Fahrlässigkeit des P = Erfüllungsgehilfe, § 278 BGB
d) Rechtsfolge: Schadensersatz (neben der Leistung)
aa) Folgeschaden an Industrieanlage
(+); Arg.: § 249 II BGB
bb) Minderwert i.H.v. 20.000 Euro (+)
cc) Berücksichtigung der Weiterveräußerung und der hypothetischen Rechnung der KG- KG (-)
5. Kein Ausschluss
-> Verletzung der Rügeobliegenheit, § 377 HGB
a) Beiderseitiger Handelskauf, §§ 1-6 HGB
Hier: Formkaufleute, § 6 HGB
b) Ablieferung (+)
c) Keine unverzügliche Rüge, § 121 BGB
Hier: Ablieferung im Juli, Kontrolle im Oktober 2016; Defekt wäre ohne weiteres erkennbar gewesen.
d) Kein Ausschluss
-> Arglist der K-KG bzw. des P (§ 166 II BGB)
-> Voraussetzung: Vorsatz, einschließlich dolus eventualis Hier: wohl nur „Wissen-Müssen“ des P
Also: (-)
e) Ergebnis: (-)
6. Ergebnis: (-)
II. Ergebnis: (-)
B. Anspruch auf anteilige Rückgewähr des Kaufpreises i.H.v. 20.000 Euro, §§ 437 Nr. 2, 2. Fall, 441 I, IV, 346 I BGB
(-); Arg.: § 377 HGB (s.o.)
C. Schadensersatz i.H.v. 8.000 Euro bzgl. Industrieanlage, § 823 I BGB
I. Rechtsgutsverletzung
Hier: Eigentum
II. Verletzungsverhalten
Hier: Verkauf einer schädigenden Maschine (bzw. Unterlassen der Kontrolle)
III. Zurechnung
– Sofern ein Unterlassen angenommen wird, dann Verkehrssicherungspflicht (+)
IV. Rechtswidrigkeit (+)
V. Verschulden, § 276 BGB
Hier: keine Zurechnung über § 278 BGB
VI. Ergebnis: (-)
D. § 831 BGB
(-); Arg:. Exkulpation, § 831 I 2 BGB („sonst zuverlässig“)
Aufgabe 2: Ansprüche G-GmbH gegen P
A. § 433 II BGB
(-); Arg.: Handeln im fremden Namen
B. § 179 I BGB
(-); Arg.: P hatte Vertretungsmacht kraft Rechtsscheins (s.o.)
C. § 823 I BGB
(+); Arg.: eigenes Verschulden des P