Abwandlung:
K hat sofort nach Kenntnis der Sachlage einen Antrag auf Einstweilige Verfügung beim zuständigen Gericht erhoben. Das Gericht hat mit Beschluss vom 26.1.2016 beschieden, dass V das Bild nicht an M herausgeben dürfe. Auch soll V bei einer Bank eine Bürgschaft von 5000,-€ hinterlegen. Im Hauptsachverfahren stellt das Gericht jedoch fest, dass die einstweilige Verfügung nie hätte ergehen dürfen. V sind durch die Hinterlegung der Bürgschaft Kosten in Höhe von 400,-€ entstanden.
Frage 3: Kann V von K Ersatz der 400,-€ verlangen?
Unverbindliche Lösungsskizze
Frage 1: Ansprüche K gegen V (20.11.2015)
A. § 433 I BGB
I. Anspruch entstanden
1. Einigung
– Voraussetzung: Wirksame Stellvertretung durch A, §§ 164 ff. BGB
a) Eigene Willenserklärung des A (+)
b) Im Namen des V
(+), zumindest konkludent
c) Im Rahmen der Vertretungsmacht
aa) Rechtsgeschäftliche Vertretungsmacht (-)
bb) Gesetzliche Vertretungsmacht
– Ursprünglich: (+): Arg.: A = Vorstandsmitglied, § 26 I 2 BGB
– Aber: Widerruf gem. § 27 II 1 BGB; Eintragung des Ausscheidens gem. § 67 BGB nur deklaratorisch.
cc) Rechtsschein
Hier: § 68 BGB aufgrund der fehlenden Eintragung.
2. Wirksamkeit der Einigung (+)
II. Anspruch nicht erloschen -> Unmöglichkeit, § 275 I BGB
1. Wegen der Beschädigung des Gemäldes
(-); Arg.: Gemälde kann noch restauriert werden.
2. Wegen des Verbots der Veräußerung
(+); Arg.: V rechtlich nicht mehr in der Lage, dem K das Eigentum zu verschaffen, weder im fremden Namen als Stellvertreter des M, §§ 164 ff. BGB, noch im eigenen Namen als Ermächtigter, § 185 BGB.
III. Ergebnis: (-)
B. Schadensersatz, §§ 280 I, III, 283 BGB
I. Schuldverhältnis -> Hier: Kaufvertrag
II. Pflichtverletzung
Hier: Nachträgliche Unmöglichkeit (s.o.)
III. Vertretenmüssen, §§ 276, 280 I 2 BGB (+)
IV. Rechtsfolge: Schadensersatz
-> Schaden (-); Arg.: Keine unfreiwilligen, sondern freiwillige Vermögenseinbußen (= Aufwendung)
V. Ergebnis: (-)
C. Aufwendungsersatz, § 284 BGB
I. Voraussetzungen der §§ 280 I, III, 281 BGB (+), s.o.; Arg.: „Schaden“ keine Voraussetzungen
II. Aufwendungen (+), i.H.v. 500 Euro
III. Im Vertrauen auf den Erhalt der Leistung (+)
IV. Billigkeit (+)
V. Kein Ausschluss, § 284 BGB a.E. (+)
VI. Ergebnis: (+)
Frage 2: M gegen V auf Herausgabe des Gemäldes und Reparatur (26.01.2016)
A. Herausgabe des Gemäldes
I. § 604 BGB
1. Leihvertrag V-M
(+); Arg.: keine bloße Gefälligkeit
2. Beendigung des Leiverhältnisses
a) Durch Gespräch des M mit B im Juni 2015
aa) § 604 I BGB
(-); Arg.: Leihzeit nicht bestimmt
bb) § 604 II BGB
(-); Arg.: Zweck der Leihe (Veranstaltung einer Ausstellung) bestand noch.
cc) § 605 BGB
(-); Arg.: keine Anhaltspunkte
b) Durch Geltendmachung des Herausgabeanspruchs und der Reparatur am 20.11.2015 (zum 25.11.2016)
(+); Arg.: leicht fahrlässige Beschädigung durch C, § 605 Nr. 3 BGB (a.A. vertretbar)
3. Ergebnis: (+)
II. § 985 BGB
1. Besitz des V (+)
2. Eigentum des M
a) Ursprünglich: (+)
b) Eigentumserwerb des K von V Anfang August 2015
aa) § 929 S. 1 BGB
(-); Arg.: keine Übergabe
bb) §§ 929 S. 1, 930 BGB
(-); Arg.: keine ausreichenden Anhaltspunkte für die Vereinbarung eines Besitzmittlungsverhältnisses i.S.v. § 868 BGB
3. Kein Recht zum Besitz, § 986 BGB
Hier: Leihvertrag durch Kündigung beendet (s.o.)
4. Ergebnis: (+) III. § 861 BGB
(-); Arg.: keine Besitzerlangung des V durch verbotene Eigenmacht i.S.v. § 858 BGB IV. § 1007 I BGB
(+); Arg.: V muss sich Bösgläubigkeit gem. § 166 II BGB (analog) zurechnen lassen.
V. § 1007 II BGB
(-); Arg.: kein Abhandenkommen
VI. §§ 823 I, 249 I BGB (-)
VII. § 812 I 2 1. Fall BGB
1. Etwas erlangt
Hier: Besitz am Gemälde
2. Durch Leistung des M (+)
3. Nachträglicher Wegfall des Rechtsgrundes Hier: Leihvertrag beendet (s.o.)
4. Rechtsfolge: Herausgabe
5. Kein Ausschluss (+)
6. Ergebnis: (+)
B. Reparatur
I. § 280 I BGB (i.V.m. § 31 BGB)
1. Schuldverhältnis
(+); Arg.: Leihvertrag zum Zeitpunkt der Beschädigung noch nicht beendet (s.o.)
2. Pflichtverletzung
Hier: Beschädigung der Leihsache
3. Vertretenmüssen, §§ 276, 280 I 2 BGB
Hier: Leichte Fahrlässigkeit des C; Zurechnung gem. § 31 BGB.
4. Rechtsfolge: Schadensersatz, §§ 249 ff. BGB
Hier: Naturalrestitution, § 249 I BGB.
5. Ergebnis: (+)
II. §§ 989, 990 BGB (i.V.m. § 31 BGB)
1. EBV
-> Zum Zeitpunkt der schädigenden Handlung, also Anfang Oktober 2015 (-); Arg.: Leihvertrag erst am 20.11.2015 gekündigt.
2. Ergebnis: (-)
III. 823 I BGB (i.V.m. § 31 BGB)
1. Anwendbarkeit
-> Sperrwirkung des § 993 I BGB a.E. (-); Arg.: kein EBV (s.o.)
2. Voraussetzungen (+)
3. Rechtsfolge: Schadensersatz, §§ 249 ff. BGB (+)
4. Ergebnis: (+)
IV. § 823 II BGB (i.V.m. § 31 BGB)
(-); Arg.: fahrlässige Sachbeschädigung nicht strafbar.
V. § 831 BGB
(-); Arg.: Vorstand nicht Verrichtungsgehilfe.
Frage 3: V gegen K auf Ersatz von 400 Euro
(+); Arg.: § 945 ZPO.