Kunstliebhaber K nimmt bei seinem Freund F ein Darlehen i.H.v. 10.000 Euro auf. Zur Sicherheit gibt der K dem F eine Bronzestatue ("Der Denker") als Pfand. Diese Bronzestatue hat der K zuvor bei dem Antiquitätenhändler A für 10.000 Euro erworben, der die Statue seinerseits in der Wohnung des S hat stehlen lassen.
Nachdem die Frist für die Rückzahlung des Darlehens verstrichen ist, behält der F die Statue für fünf Jahre in seinem Besitz. Dann beschließt der F, die Statue im Wege der öffentlichen Versteigerung zu versilbern. Den Zuschlag erhält der Ersteigerer E. Der von F beauftragte Gerichtsvollzieher G übergibt im Namen des F die Statue an E. Von dem Erlös i.H.v. 8.000 Euro behält der G die Vollstreckungskosten i.H.v. 500 Euro ein. 7.500 Euro kehrt er an F aus, der den Betrag in einer Matratze versteckt.
Die Statue weist einen irreparablen Riss auf, der den Marktwert um 25 % mindert.
K, F, G und E wussten aufgrund leichter Fahrlässigkeit nichts von dem Diebstahl und von dem Riss.
Frage 1: Hat S gegen E einen Anspruch auf Herausgabe der Statue?
Frage 2: Hat S gegen F einen Anspruch auf Schadensersatz bzw. Herausgabe des Versteigerungserlöses – unterstellt, dass der Herausgabeanspruch in Frage 1 nicht besteht.
Frage 3: Kann E von F den gezahlten Kaufpreis anteilig zurückverlangen?
Unverbindliche Lösungsskizze
Frage 1: S gegen E auf Herausgabe der Statue
A. § 985 BGB
I. Besitz des E (+)
II. Eigentum des S
1. Ursprünglich: S
2. Eigentumserwerb des K, § 929 S. 1 BGB
(-); Arg.: § 935 BGB
3. Eigentumserwerb des F
(-); Arg.: nur Pfandrechtbestellung
4. Eigentumserwerb des E, §§ 929 S. 1, 1242 BGB
Hier: F nicht Eigentümer
Aber: Gutgläubiger Eigentumserwerb, § 1244 BGB (+); Arg.: kein Verweis auf § 935 BGB
III. Ergebnis: (-)
B. Sonstige Vorschriften
-> §§ 861; 1007 I, II; 823 i.V.m. 249; 812 ff. BGB (-)
Frage 2: S gegen E auf Schadensersatz bzw. Herausgabe des Verstiegerungserlöses
A. Vertragliche Ansprüche (-)
B. Herausgabe des Erlangten, §§ 681 S. 2, 667 BGB
I. Fremdes Geschäft
(+); Arg.: Eigentum des S
II. Fremdgeschäftsführungswille (-)
C. Herausgabe des Erlangten, §§ 687 II, 681 S. 2, 667 BGB
(-); Arg.: F nicht bösgläubig i.S.v. § 932 II BGB, da nur leicht fahrlässige Unkenntnis
D. Schadensersatz, § 989 BGB
I. EBV
-> Zum Zeitpunkt der schädigenden Handlung (Versteigerung) (+)
II. Rechtshängigkeit (-)
E. §§ 990 I, 989 BGB
(-); Arg.: F nicht bösgläubig i.S.v. § 932 II BGB
F. §§ 992, 823 ff. BGB
(-); Arg.: F selbst kein deliktischer Besitzer und auch keine Zurechnung, § 858 II BGB
G. § 823 I BGB
(-); Arg.: Sperrwirkung des EBV, § 993 I BGB a.E.
H. Herausgabe, § 812 I 1 1. Fall BGB
(-); Arg.: keine Leistung S an F
I. § 812 I 1 2. Fall BGB
(-); Arg.: vorrangige Leistung E an F
J. § 816 I 1 BGB
I. Verfügung eines Nichtberechtigten (+)
II. Wirksamkeit gegenüber dem Berechtigten (+), s.o.
III. Rechtsfolge: Herausgabe des Erlangten
IV. Ergebnis: (+)
Frage 3: E gegen F auf anteilige Rückgewähr des Kaufpreises, §§ 437 Nr. 2, 323 I, 441 I, IV, 346 I BGB
I. Wirksamer Kaufvertrag
(+), durch Zuschlag, § 156 BGB
II. Mangel bei Gefahrübergang
Hier: Risse in der Statue, § 434 I 2 Nr. 2 BGB
III. Leistungsaufforderung mit angemessener Fristsetzung
(-), aber: § 326 V BGB
IV. Minderungserklärung (+)
V. Kein Ausschluss
1. Kenntnis, § 442 BGB (-)
2. § 445 BGB
-> Öffentliche Versteigerung (+)
VI. Ergebnis: (-)