V führt aus, dass K die Schuld daran trage, weil er das Fenster nicht hochgekurbelt hätte. Tatsächlich war es so, dass aufgrund eines mechanischen Defekts das Hochkurbeln nur unter erheblichem Kraftaufwand möglich war. K behauptet hingegen, dass er das Fenster hochgekurbelt hat und somit keine Schuld daran trägt. Es ist nicht festzustellen, ob die Ausführungen des K oder des V der Wahrheit entsprechen.
V macht ferner geltend, dass er den Kaufpreis mit einer Anlage verzinst hat, die ihm nur 0,2 % Zinsen eingebracht hat. Insofern will er auf keinen Fall mehr bezahlen. Außerdem schulde ihm K vielmehr Ersatz für die gefahrenen Kilometer (5000 km), die – der Höhe nach angemessen – mit 10 Cent pro Kilometer anzusetzen sind; mithin 500 €.
Zu prüfen sind alle Ansprüche zwischen K und V. Soweit durch die Erklärung des K vom 16. März 2016 mehrere Gestaltungsrechte in Betracht kommen, die sich gegenseitig ausschließen, so sind unter Zugrundelegung des jeweiligen Gestaltungsrechts alle Ansprüche zu prüfen.
Unverbindliche Lösungsskizze
1. Teil: Rechtliche Würdigung bei Zugrundelegung einer Rücktrittserklärung
A. Ansprüche des K gegen V
I. Rückzahlung des Kaufpreises i.H.v. 5.000 Euro, §§ 437 Nr. 2, 1. Fall, 323, 326 V, 346 I 1. Fall BGB
1. Anspruch entstanden
a) Wirksamer Kaufvertrag (+)
b) Mangel
Hier: Unfallwagen, § 434 I 1 bzw. 434 I 2 Nr. 2 BGB
c) Zum maßgeblichen Zeitpunkt (+)
d) Leistungsaufforderung mit angemessener Fristsetzung, § 323 I BGB
(-), aber: § 326 V BGB
e) Kein Ausschluss
aa) Vertraglich (-)
bb) Gesetzlich
-> Kenntnis des K, § 442 BGB (-)
f) Rücktrittserklärung (+)
g) Keine Einrede der Unwirksamkeit, § 218 BGB (+)
2. Anspruch nicht erloschen (+)
(Aufrechnung, §§ 387 ff. BGB, mit eventuellen Gegenansprüchen des V zumindest nicht erklärt.)
3. Anspruch durchsetzbar (+)
(Zurückbehaltungsrecht, §§ 348, 320, 322 BGB, wegen eventueller Gegenansprüche des V zumindest nicht geltend gemacht.)
4. Ergebnis: (+)
II. Ersatz für die Kosten der Reparatur, §§ 437 Nr. 2. 1. Fall, 323, 326 V, 347 II 1 BGB
1. Wirksamer Rücktritt (+)
2. Notwendige Verwendungen (+)
3. Rückgabe des Gegenstandes, Leistung von Wertersatz oder Ausschluss des Wertersatzes nach § 346 III Nr. 1 oder 2 BGB (-)
4. Ergebnis: (-)
III. Herausgabe von Zinsen iHv 150 Euro
1. §§ 437 Nr. 2, 1. Fall, 323, 326 V, 346 I 2. Fall BGB
a) Wirksamer Rücktritt (+)
b) Gezogene Nutzungen
aa) Nutzung, § 100 BGB
(+); Arg.: Zinsen = Früchte des Geldes
bb) Gezogen
Hier: nur 0,2 % p.a. auf 5.000 Euro = 10 Euro.
c) Ergebnis: (+), aber nur in Höhe von 10 Euro
2. §§ 437 Nr. 2, 1. Fall, 323, 326 V, 347 I 1 BGB
a) Wirksamer Rücktritt (+)
b) Nicht gezogene Nutzungen (+)
c) Entgegen den Regeln der ordnungsgemäßen Wirtschaft (+)
d) Möglichkeit (+)
e) Keine Einschränkung, § 347 II 2 BGB
aa) Gesetzliches Rücktrittsrecht (+)
bb) Beobachtung der eigenüblichen Sorgfalt, § 277 BGB
Hier: Das Verhalten des V bzgl. der Geldanlage entsprach seinem üblichen Verhalten und war auch nicht grob fahrlässig.
f) Ergebnis (-)
B. Ansprüche V gegen K
I. Wertersatz, §§ 437 Nr. 2, 1. Fall, 323, 326 V, 346 II 1 Nr. 3 BGB
1. Wirksamer Rücktritt (+)
2. Verschlechterung/Untergang Hier: Diebstahl
3. Kein Ausschluss, § 346 III BGB
-> Nr. 3
a) Gesetzliches Rücktrittsrecht (+)
b) Beobachtung der eigenüblichen Sorgfalt, § 277 BGB
– Problem: Beweislast für die tatsächlichen Umstände
– Hier: K trägt die Beweislast; Arg.: Ausnahmetatbestand (a.A. vertetbar; Arg.: V befand sich im Annahmeverzug)
4. Ergebnis: (+)
II. Schadensersatz, §§ 437 Nr. 2, 1. Fall, 323, 326 V, 280 I, II, 283 BGB
1. Wirksamer Rücktritt (+)
2. Pflichtverletzung
Hier: Nachträgliche Unmöglichkeit
3. Vertretenmüssen
– Grundsatz: Vorsatz und jede Fahrlässigkeit, § 276 BGB
– Ausnahme: Haftung nur für die eigenübliche Sorgfalt, § 277 BGB, bei Annahmeverzug des Gläubigers (V)
– Problem: Beweislast für die tatsächlichen Umstände
– Hier: Beweislastumkehr, § 280 I 2 BGB, d.h., K muss beweisen, dass ihn kein Verschulden trifft (a.A. vertretbar; Arg.: V befand sich im Annahmeverzug)
4. Rechtsfolge: Schadensersatz
Hier: Wert des Fahrzeuges
III. Ersatz für die gefahrenen Kilometer i.H.v. 500 Euro, §§ 437 Nr. 2, 1. Fall, 323, 326 V, 346 I 2. Fall, 346 II 1Nr. 1 BGB
1. Wirksamer Rücktritt (+)
2. Nutzungen, § 100 BGB (+)
3. Herausgabe nach der Natur des Erlangten nicht möglich (+)
4. Kein Ausschluss, § 346 III BGB (+)
5. Ergebnis: (+)
2. Teil: Rechtliche Würdigung bei Zugrundelegung einer Anfechtungserklärung
A. Ansprüche des K gegen V
I. Rückzahlung des Kaufpreises, § 812 I 1 1. Fall BGB (bzw. § 812 I 2. 1. Fall BGB)
1. Etwas erlangt (+)
2. Durch Leistung (+)
3. Ohne Rechtsgrund
Hier: Kaufvertrag
Aber: Anfechtung, §§ 142, 119 ff. BGB
a) Anfechtungsgrund
-> Arglistige Täuschung, § 123 I 1. Fall BGB
aa) Arglistige Täuschung durch V (+)
bb) Widerrechtlich (+)
cc) Kein Ausschluss, § 123 II BGB (+)
b) Anfechtungserklärung (+)
c) Kein Ausschluss der Anfechtung (+)
4. Rechtsfolge: Herausgabe des Erlangten (bzw. Wertersatz)
5. Kein Ausschluss
a) Kenntnis des K, § 814 BGB (-)
b) Gesetzesverstoß/Sittenwidrigkeit (-)
c) Entreicherung, § 818 III BGB (-)
d) Saldotheorie
(-); Arg: Arglist des V
6. Ergebnis: (+)
II. Ersatz der Kosten für die Reparatur
1. §§ 683 S. 1, 670 BGB
(-); Arg.: zumindest kein Fremdgeschäftsführungswille
2. §§ 994 ff. BGB (-); Arg.: kein EBV (da keine Anfechtung des dinglichen Rechtsgeschäfts); kein selbständiger Anspruch, § 1001 BGB.
3. §§ 812 ff. BGB
(-); Arg.: Verwendungsersatzansprüche nicht vorgesehen.
III. Zinsen i.H.v. 150 Euro, §§ 812 I 1 1. Fall, 818 I 2. Fall BGB
– Nur in Höhe der tatsächlich gezogenen Zinsen (10 Euro)
B. Ansprüche des V gegen K
I. Wertersatz für den PKW, §§ 812 I 1 1. Fall, 818 II BGB
1. Etwas erlangt
Hier: Besitz und Eigentum an dem Pkw
2. Durch Leistung des V (+)
3. Ohne Rechtsgrund
4. Rechtsfolge: Herausgabe/Wertersatz, § 818 II BGB
5. Kein Ausschluss
Hier: § 814 BGB; Arg: Kenntnis der Anfechtbarkeit, § 142 II BGB
6. Ergebnis: (-)
II. Ersatz der gefahrenen Kilometer
-> §§ 812 I 1 1. Fall, 818 II BGB (-); Arg.: § 142 II BGB