können und die Miete für die Monate Juli – September noch an den S bezahlen soll. Außerdem behält sich S das Eigentum an dem Boot bis zur vollständigen Kaufpreiszahlung durch D vor. Am 30. September 2015 wird dem D dann das Boot von M übergeben.
Als E am 03.Oktober 2015 früher aus den USA wiederkommt, findet er nur einen leeren Steg vor. Der Sachverhalt klärt sich auf. D hat bereits 30.000 € an den S gezahlt.
Aufgabe 1: E möchte das Boot von D heraus verlangen. D sieht das jedenfalls nicht ein, solange er nicht die seinerseits gezahlten 30.000 € zurückerhalten hat. E möchte auch wissen, ob ihm Ansprüche gegen den S zustehen. Zudem interessiert ihn, ob er irgendwie an die 45.000 € für das Boot gelangen kann.
Welche Ansprüche hat E gegen D und S?
Abwandlung: Es kommt doch nicht zu der Übergabe von M an D am 30. September 2015. Vielmehr vergrößert sich der Riss in der Seite des Bootes und S und D beschließen, ihren Kaufvertrag aufzulösen. S will sodann die Reparatur auf eigene Rechnung erledigen lassen. Er segelt also zu der auf Holzboote spezialisierten Werkstatt der U in Hamburg Altona und gibt das Boot ab. E kommt aus den USA zurück und verlangt nun von U das Boot heraus. Die U möchte jedoch zuerst ihre Rechnung i.H.v. 4.000 € bezahlt haben.
Aufgabe 2a): Hat E einen Herausgabeanspruch gegen U?
Aufgabe 2b): Vor welchem Gericht kann E diesen Anspruch ggf. geltend machen? Braucht er dazu Hilfe?
Unverbindliche Lösungsskizze
Aufgabe 1
Frage 1: E gegen D auf Herausgabe
A. § 985 BGB
I. Besitz des D (+), § 854 I BGB
II. Eigentum des E
1. Ursprünglich: (+)
2. Eigentumserwerb des S am 01.07.2014 (-); Arg.: nur Verwahrung, § 688 BGB
3. Eigentumserwerb des M am 01.10.2014 (-); Arg.: nur Miete, § 535 BGB
4. Eigentumserwerb des S Ende 2014, § 929 S. 2 BGB (-); Arg.: § 158 I BGB
5. Eigentumserwerb der B im Februar 2015, §§ 929 S. 1, 931 BGB
a) Einigung (+)
b) Übergabesurrogat: Abtretung eines Herausgabeanspruchs, § 398 BGB
Hier: § 546 BGB gegen M
c) Einigsein (+)
d) Berechtigung (-)
e) Gutgläubiger Erwerb vom Nichtberechtigten, §§ 931, 934 BGB
aa) Rechtsgeschäft i.S.e. Verkehrsgeschäfts (+)
bb) Rechtsscheinstatbestand
Hier: § 934, 1. Fall BGB
Aber: E möglicherweise ebenfalls mittelbarer Besitzer
– Problem: Mittelbarer Nebenbesitz
– aA: (-), d.h. gutgläubiger Erwerb (+); Arg.: gesetzlich nicht vorgesehen
– hM: (+), d.h. gutgläubiger Erwerb (-); Arg.: Schutz des wahren Eigentümers
cc) Ergebnis: (-)
6. Eigentumserwerb des D am 30.06.2015, §§ 929 S. 1, 931 BGB
(-); Arg.: § 158 I BGB
III. Kein Recht zum Besitz des D, § 986 BGB
-> Anwartschaftsrecht (-); Arg.: S konnte aufgrund des zwischenzeitlichen Rücktritts des E gem. §§ 449 II, 323 BGB dem D kein Anwartschaftsrecht mehr übertragen.
IV. Keine Einreden
-> §§ 1000, 994 ff. BGB
(-); Arg.: der an S gezahlte Kaufpreis ist keine Verwendung auf die Sache
V. Ergebnis: (+)
B. Sonstige Herausgabeansprüche
I. § 861 BGB
(-); Arg.: keine verbotene Eigenmacht des D
II. § 1007 I BGB
(-); Arg.: keine Bösgläubigkeit des D
III. § 1007 II BGB
(-); Arg.: kein Abhandenkommen
IV. §§ 823 I, 249 I BGB
(-); Arg.: zumindest kein Verschulden des D
V. § 812 I 1 1. Fall BGB
(-); Arg.: keine Leistung von E an D
VI. § 812 I 1 2. Fall BGB
(-); Arg.: vorrangige Leistung S an D
Frage 2: Ansprüche E gegen S
A. Ansprüche anlässlich der Verursachung des Risses
I. § 280 I BGB (+)
II. §§ 989, 990 BGB
(-); Arg.: kein EBV, da S aufgrund des Verwahrvertrages ein Recht zum Besitz hatte
III. § 823 I BGB (+)
B. Ansprüche anlässlich der Vermietung an M
I. Schadensersatzansprüche
(-); Arg.: kein Schaden ersichtlich
II. Erlösherausgabe
1. §§ 687 II, 681 S. 2, 667 BGB
a) Fremdes Geschäft
(-); Arg.: Untervermietung nicht Sache des Eigentümers (a.A. vertretbar)
b) Ergebnis: (-)
2. § 816 I 1 BGB (analog)
a) Verfügung eines Nichtberechtigten
– Problem: Unberechtigte Untervermietung als Verfügung
– aA: (+); Arg.: verfügungsähnliche Wirkung
– hM: (-); Arg.: Wortlaut; keine planwidrige Regelungslücke
b) Ergebnis: (-)
C. Ansprüche anlässlich der Veräußerung an D
I. Schadensersatz
1. §§ 687 II, 678 BGB
a) Fremdes Geschäft (+)
b) Eigengeschäftsführungswille (+)
c) Bösgläubigkeit (+)
d) Rechtsfolge: Schadensersatz
2. §§ 989, 990 BGB
a) EBV zum Zeitpunkt der Veräußerung
(+); Arg.: aufgrund des Rücktritts des E hatte S kein Recht zum Besitz mehr
b) Bösgläubiger Besitzer (+)
c) Unmöglichkeit der Herausgabe (+)
d) Verschulden (+)
e) Rechtsfolge: Schadensersatz
3. §§ 992, 823 ff. BGB
(-); Arg.: S nicht deliktischer Besitzer
4. § 823 I BGB
– Problem: Anwendbarkeit beim lediglich bösgläubigen Besitzer
– aA: (+); Arg.: Umkehrschluss aus § 993 I BGB am Ende
– hM: (-); Arg.: Umkehrschluss aus § 992 BGB
II. Erlösherausgabe
1. §§ 687 II, 681 S. 2, 667 BGB (+)
2. § 816 I 1 BGB
a) Verfügung eines Nichtberechtigten (+)
b) Wirksamkeit gegenüber dem Nichtberechtigten
(-); Arg.: s.o.
c) Ergebnis: (-)
Aufgabe 2a
A. § 985 BGB
I. Besitz des U (+)
II. Eigentum des E (+)
III. Kein Recht zum Besitz des U
1. Eigenes Besitzrecht des U, § 986 I 1 1. Fall BGB
-> Werkunternehmerpfandrecht, § 647 BGB
a) Werkvertrag zwischen S und U (+)
b) Sache des Bestellers
Hier: Boot steht im Eigentum des E, nicht des S
aa) „Lehre von der Verpflichtungsermächtigung“, § 164 BGB
(-); Arg.: Umgehung des Offenkundigkeitsprinzips
bb) „Lehre von der Verfügungsermächtigung“, § 185 BGB analog
(-); Arg.: Letztlich auch Umgehung des Offenkundigkeitsprinzips
cc) Gutgläubiger Erwerb eines gesetzlichen Pfandrechts, §§ 1257, 1207 BGB (-);
Arg.: Wortlaut des § 1257 BGB („entstandenes“, nicht: „zur Entstehung zu bringendes“)
2. Abgeleitetes Besitzrecht, § 986 I 1 2. Fall BGB (-);
Arg.: Rücktritt des E gegenüber S
IV. Keine Einreden
-> §§ 1000, 994 ff. BGB
1. EBV
– Zum Zeitpunkt der Verwendung (-), da E noch nicht zurückgetreten.
– Aber: zumindest zum Zeitpunkt des Herausgabeverlangens lag Rücktritt vor. Dies reicht zum Schutze des Verwenders aus (BGH).
2. Gutgläubiger Besitzer (+)
3. Notwendige Verwendungen (+)
4. Ergebnis: (+)
V. Ergebnis: (+), aber nur Zug-um-Zug gegen Ersatz der Verwendungen
Aufgabe 2b
Hier: Landgericht Hamburg, §§ 23, 71 GVG; Arg. Streitwert über 5.000 Euro, da es auf den Besitz der Sache ankommt, vgl. § 6 ZPO. Beim Landgericht herrscht Anwaltszwang, § 78 ZPO.