B. Unverbindliche Lösungsskizze
Frage 1:
1. Teil: T
A. §§ 216 I, 221, 23 I (Injektieren des Betäubungsmittels)
I. Tatentschluss
1. Vorsatz bzgl. Tötung (+)
2. Vorsatz bzgl. ausdrückliches und ernstliches Verlangen
(+), Entscheidung nach reiflicher Überlegung, im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte
3. Vorsatz bzgl. Bestimmen
(+), zweifelhaft, da Verlangen ursprünglich nur an E gerichtet war und Tatentschluss zur Tötung letztlich von F hervorgerufen wurde; aber T wusste von Todeswunsch des S und wurde von ihm gebeten
4. Vorsatz bzgl. Tatherrschaft
(+), T injektiert
II. Unmittelbares Ansetzen (+)
III. Rechtswidrigkeit und Schuld
IV. Strafe: Rücktritt, § 24 I (§ 24 II)
(-), weder für Ausbleiben des Erfolges kausal geworden, noch ernsthaftes Bemühen
5. Ergebnis
§ 216 I, 22, 23 I (+)
B. §§ 212 I, 22, 23 I, §§ 223 I, 224 I Nr. 2, 5, § 226 I Nr. 3
(-), Sperrwirkung des § 216
2. Teil: F
A. §§ 216 I, 22, 23 I, 26
I. Tatbestand
1. Vorsätzliche und rechtswidrige Haupttat (+), s.o.
2. Bestimmen
(+), F war nur tatgeneigt („überwindet Zweifel erst“)
3. Vorsatz bzgl. 1. + 2. (+)
4. Tatbestandsverschiebung, § 28 II
a) Besonderes persönliches Merkmal
(+), Verlangen iSd. § 216 I
b) Strafmodifikation
P: Verhältnis der Tötungsdelikte
aa) BGH: eigenständig
=> § 28 II (-)
Arg. : Systematik; Historie
bb) Lit. : unselbständige Privilegierung
=> § 28 II (+)
Arg.: Wortlaut (in §§ 211, 212, 216: Tötung); nachvollziehbare Ergebnisse
=> Tatbestandsverschiebung auf §§ 212 I, 22, 23 I
II. Rechtswidrigkeit
1. Einwilligung
(-), Rechtsgut nicht disponibel (Ausnahme: passive oder indirekte Sterbehilfe liegt nicht vor)
2. § 34
(-), Recht auf würdevolles Sterben noch nicht gegenwärtig
III. Schuld (+)
IV. Strafe: Rücktritt, § 24 II 1
1. Kein fehlgeschlagener Versuch (+)
F ging davon aus, die Tat ohne Zäsur noch vollenden zu können
2. Verhinderung der Vollendung durch Beteiligten (+)
3. Freiwilligkeit
(+), F wurde nicht von außen gezwungen, er handelte aus autonomen Motiven
IV. Ergebnis: §§ 212 I, 22, 23 I, 26 (-)
§§ 226 I Nr. 3, 26
P: Anwendbarkeit, obwohl Rücktritt
(-),
Arg.: ohne Rücktritt griffe Sperrwirkung, Täter darf durch Rücktritt aber nicht schlechter gestellt werden
3. Teil: E
A. §§ 216 I, 22, 23 I (durch Besorgen des Btm.)
(-), kein Vs bzgl. Tatherrschaft, da nicht sie dem S das Btm. injektieren will
B. §§ 212 I, 22, 23 I, 25 I 2. Alt.
(-), kein Hinweis auf (vorgestellten) Defekt
C. §§ 212 I, 22, 23 I, 27
(-), straflose Beihilfe zur (straflosen) Selbsttötung
D. §§ 212 I, 22, 23 I, 26, 27 (Beihilfe zur Anstiftung des F)
(-), kein Vs bzgl. Anstiftung des F
E. §§ 216 I, 22 , 23 I , 27 (Beihilfe zur versuchten Tötung auf Verlangen der T)
(-), kein Vorsatz bzgl. Tötung durch T
=> E bleibt straffrei
4. Teil: A
A. § 217
I. Tatbestand
1. Verschaffen der Gelegenheit (= abstrakte Gefahr)
(+), Überlassung des Btm.
2. Geschäftsmäßig
(+), da Tun auf Wiederholung angelegt („schon einigen Bekannten behilflich geworden“)
3. Vorsatz
4. Absicht die Selbsttötung zu fördern
a) (Mindestens) bedingter Vorsatz bzgl. Selbsttötung
b) Absicht bzgl. Förderung
II. Rechtswidrigkeit: Einwilligung
P: Rechtsgut disponibel
1. aA (-), Arg. § 216
2. aA (+), Arg. Einwilligung in Lebensgefährdung möglich
III. Ergebnis: § 217 I (-)
Frage 2:
1. Teil: W, § 216 I
(+), Bestimmen geht zwar nur an E, W wusste allerdings von Todeswunsch
2. Teil: T, § 216 I
(-), keine Tatherrschaft der T
Frage 3:
Wenn richterliche Vorladung/Vernehmung => Nachricht an RA, § 168c I, V 1 StPO => Vernehmung nicht rechtmäßig